Frühjahrstagung Egerländer Hessen „80 Jahre Vertreibung – 80 Jahre angekommen“

Landesvüarstäihare Gerlinde Kegel freute sich über 50 Teilnehmer an der Landesfrühjahrstagung der Egerländer in Hessen mit dem Thema „80 Jahre Vertreibung – 80 Jahre angekommen!“. Besonders begrüßte sie MdL Andreas Hofmeister, Beauftragter der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, und den ehemaligen Bundesvüarstäiha und Mitglied des Bundesvorstands Volker Jobst.

Landeskulturwart Jürgen Zuber hatte das Thema in drei Abschnitte unterteilt. Zunächst ging es um die Ankunft und den Neuanfang in Hessen. In insgesamt 295 Transporten wurden Heimatvertriebene nach Hessen „verfrachtet“.  Der erste Zug erreichte Weilburg am 4. Februar 1946, nach einer langen Bahnfahrt in Viehwaggons unter schlechtesten Bedingungen. In den Waggons waren überwiegend alleinstehende Frauen, Mütter mit Kindern, Kriegsversehrte und ältere Menschen. Es fehlten Ehemänner, die gefallen, vermisst oder in Kriegsgefangenschaft waren. Jürgen Zuber übernahm es in diesem Teil, sich in die Situation der Angekommenen zu versetzen. Ungewissheit und Ratlosigkeit waren vorherrschend. Viele hatten zudem den irrtümlichen Gedanken der baldigen Rückkehr in die Heimat. Die Zuordnung zu kurz realisierten Aufnahmelagern und die Erfüllung der bürokratischen Voraussetzungen waren die nächsten Schritte. Kurz danach erfolgte – nicht überall schnell – die Verteilung auf die Orte des Umlandes, ohne Rücksicht auf Familienverbände oder Dorfgemeinschaften. Keine Begeisterung herrschte bei den Einheimischen über die neuen Mitbewohner, waren doch die Wohnungen so schon zu klein und hatte man doch auch schon Ausgebombte aus den Städten aufnehmen müssen. Es waren sehr enge Verhältnisse, bei denen häufig am gleichen Herd gekocht werden und viele sich einen Raum teilen mussten. Zuber unterscheidet in der Abhängigkeit vom Vorbesitz im Egerland drei Gruppen mit unterschiedlichen Integrationsproblemen: Land- und Unternehmensbesitzer, Nebenerwerbslandwirte sowie zur Miete wohnende bzw. Lohnempfänger. Ein besonderes Beispiel waren die Glasbläser, bei denen sich alte Belegschaften wieder zusammenfanden. Daraus entwickelten sich die Glashütte Limburg und später die Glasfachschule Hadamar. Zum Abschluss dieses Teils zitierte er den ehemaligen Bundesvüarstäiha Dr. Walter Preißler „Lass dir die Fremde zur Heimat, aber niemals die Heimat zur Fremde werden“. In diesem Sinne ist die Integration von rund drei Millionen Heimatvertriebenen Sudetendeutschen als gelungen anzusehen.

 

Frühjahrstagung Egerländer Hessen „80 Jahre Vertreibung – 80 Jahre angekommen“

Landesvüarstäihare Gerlinde Kegel freute sich über 50 Teilnehmer an der Landesfrühjahrstagung der Egerländer in Hessen mit dem Thema „80 Jahre Vertreibung – 80 Jahre angekommen!“. Besonders begrüßte sie MdL Andreas Hofmeister, Beauftragter der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, und den ehemaligen Vorsitzenden des BDEG und jetzigen Marketing-Beauftragten Volker Jobst.

Landeskulturwart Jürgen Zuber hatte das Thema in drei Abschnitte unterteilt. Zunächst ging es um die Ankunft und den Neuanfang in Hessen. In insgesamt 295 Transporten wurden Heimatvertriebene nach Hessen „verfrachtet“.  Der erste Zug erreichte Weilburg am 4. Februar 1946, nach einer langen Bahnfahrt in Viehwaggons unter schlechtesten Bedingungen. In den Waggons waren überwiegend alleinstehende Frauen, Mütter mit Kindern, Kriegsversehrte und ältere Menschen. Es fehlten Ehemänner, die gefallen, vermisst oder in Kriegsgefangenschaft waren. Jürgen Zuber übernahm es in diesem Teil, sich in die Situation der Angekommenen zu versetzen. Ungewissheit und Ratlosigkeit waren vorherrschend. Viele hatten zudem den irrtümlichen Gedanken der baldigen Rückkehr in die Heimat. Die Zuordnung zu kurz realisierten Aufnahmelagern und die Erfüllung der bürokratischen Voraussetzungen waren die nächsten Schritte. Kurz danach erfolgte – nicht überall schnell – die Verteilung auf die Orte des Umlandes, ohne Rücksicht auf Familienverbände oder Dorfgemeinschaften. Keine Begeisterung herrschte bei den Einheimischen über die neuen Mitbewohner, waren doch die Wohnungen so schon zu klein und hatte man doch auch schon Ausgebombte aus den Städten aufnehmen müssen. Es waren sehr enge Verhältnisse, bei denen häufig am gleichen Herd gekocht werden und viele sich einen Raum teilen mussten. Zuber unterscheidet in der Abhängigkeit vom Vorbesitz im Egerland drei Gruppen mit unterschiedlichen Integrationsproblemen: Land- und Unternehmensbesitzer, Nebenerwerbslandwirte sowie zur Miete wohnende bzw. Lohnempfänger. Ein besonderes Beispiel waren die Glasbläser, bei denen sich alte Belegschaften wieder zusammenfanden. Daraus entwickelten sich die Glashütte Limburg und später die Glasfachschule Hadamar. Zum Abschluss dieses Teils zitierte er den ehemaligen Bundesvüarstäiha Dr. Walter Preißler „Lass dir die Fremde zur Heimat, aber niemals die Heimat zur Fremde werden“. In diesem Sinne ist die Integration von rund drei Millionen Heimatvertriebenen Sudetendeutschen als gelungen anzusehen.

 

Herbert und Brigitte Möckl übernahmen es, einen Einblick in das Leben der in der Tschechoslowakei verbliebenen Egerländer zu geben. Auch hier gibt es kein typisches Erleben, sondern es gilt, sowohl den generellen Einfluss, wie auch die starken Auswirkungen des persönlichen Umfelds zu berücksichtigen. In diesem Vortrag gab es keine generelle Darstellung, sondern sehr persönliche Einblicke, die in diesem Bericht nicht wiedergegeben werden sollen. 

Die Frage nach der zeitgemäßen Auffassung von „Für unna Hoimat ålls“ suchte nach Antworten, inwieweit diese Aussage heute noch Gültigkeit hat. Jürgen Zuber hatte diese Frage bereits 1992, als er Kulturwart in Limburg wurde, mehreren Amtsträgern des BDEG gestellt. Eine bemerkenswerte Antwort erhielt er vom damaligen Vüarstäiha Dr. Walter Preißler „Ja, mehr denn je! Wir haben zwar die geographische, nicht jedoch unsere geistige Heimat verloren“. 34 Jahre nach dieser Stellungnahme hat er nun eine Aktualisierung, allerdings bei einer kleinen Anzahl von Befragten, anhand von fünf Fragen vorgenommen. Er kommt zu der Erkenntnis, dass diese Aussage nicht mehr zeitgemäß ist und bestenfalls noch der Erhalt des Kulturguts gemeint sein kann. Der Heimatbegriff bezieht sich heute eher auf die Region in der man lebt bzw. auf den Geburtsort. Die jüngere Bekenntnisgeneration verbindet eher Tanzen, Singen und Tracht tragen mit dem Egerland. Die Tracht wird von allen mit Stolz, dieser Gemeinschaft anzugehören, getragen. Jüngere Mitglieder der Bekenntnisgeneration besuchten das Egerland eher nicht bzw. nur im Rahmen von BDEG-Veranstaltungen (z.B. Studienfahrten LV Hessen). Anders dagegen bei der älteren Bekenntnisgeneration, wo die Verwurzelung mit der „alten Heimat“ noch intensiver ist und Besuche auch ohne besonderen Anlass erfolgen.

Die Gmoi Offenbach hatte sich bereitgefunden, diese Frühjahrstagung im ev. Gemeindehaus in Offenbach-Rumpenheim durchzuführen. So freute sich die Vüarstäihare Gertraud Hirsch über die vielen Gäste. Bereits vor Beginn waren zahlreiche Aufgaben wie die Raumvorbereitung, einschließlich der Technik, zu erledigen. Für das Essen wurde mit drei Auswahlgerichten und einem großen Kuchenbuffet bestens gesorgt. Nicht zu vergessen ist das Aufräumen nach der Veranstaltung. Der Landesverband bedankt sich herzlich bei der Gmoi Offenbach und allen Aktiven für die große Unterstützung.

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Nach dem leckeren Mittagessen folgte die Filmvorführung von „Die Egerländer – was ist aus ihnen geworden?“ Der interessante Film brachte viele Erinnerungen an den vor kurzem verstorbenen ehemaligen Bundesvüarstäiha Alfred Baumgartner. Landesvüarstäihare Gerlinde Kegel gedachte ihm und dem verstorbenen Ehrenmitglied Waltraud Theisinger-Schülle in der Totenehrung. Sie lud zum Landestreffen am 16. August in Herborn-Merkenbach ein und verwies auf die Termine des Hessentags in Fulda mit BdV-Nachmittag am 13. Juni und dem Festzug am 21. Juni 2026.

Ein kleiner Hutzan-Nauchmittogh mit Volkstänzen, Gedichten und Liedern schloss sich an. Die Brüder Fenkl („Ich ho(b a Poar(r kuhlschwoarza Råppen“), die Egerland Jugend („Jägerneuner“), ein spontaner großer Volkstanzkreis mit 9 Paaren („Howansook“) und der Singkreises Offenbach („Kam is da Winta vagånga“) erfreuten die Gäste. Abschließend sangen alle das „Hessenlied“ als Symbol für die Integration in Hessen. Unterstützt wurden sie dabei von dem Egerländer Mundart-Duo Christa und Jürgen, das bereits mit mehreren Liedbeiträgen an diesem Tag aktiv war.

Bericht und Bilder: Hans-Jürgen Ramisch

 

Im Bild Referenten v.l.: Mdl Andreas Hofmeister, Jürgen Zuber, Volker Jobst, Landesvüarstäihare Gerlinde Kegel, Herbert und Brigitte Möckl mit Enkel Willi, Edith Zaschka-Domes