Mehr als 140 Gäste feiern Egerländer Mundart, Musik und Brauchtum
Mit dem Einzug von sechs Gmoifahnen begann eindrucksvoll das 36. Landestreffen der Egerländer im Bürgerhaus von Herborn-Merkenbach. Landesvüa(r)stäihare und zugleich stv. Bundesvü(r)staihare Gerlinde Kegel freute sich über mehr als 140 Gäste im Saal und zahlreiche Ehrengäste. Die Gmoin Bischofsheim, Braunfels, Bruchköbel, Herborn, Hungen, Kelsterbach, Limburg, Offenbach und Walldorf und Vertreter aus den aufgelösten Gmoin Fulda, Gießen und Schlitz waren mit Abordnungen in Herborn vertreten. Viele Gäste hatten bereits am gemeinsamen Essen vor der Veranstaltung teilgenommen. In einem kurzen Rückblick auf die Entwicklungsgeschichte des 1909 in Tetschen-Bodenbach gegründeten Bundes der Eghalanda Gmoin e.V. stellte sie die wesentlichen Ziele der Gmoin fern des Egerlandes heraus: Reden in der vertrauten Mundart, Lieder singen und Brauchtumspflege im Jahresablauf. Nach der Vertreibung kam diesen Zielen eine wesentlich stärkere Bedeutung zu und ließ die Heimat (fast) wieder lebendig werden.
Pater Paulose Chatheli stellte im Totengedenken den Aspekt des „Nicht-Vergessens“ heraus, im Vertrauen, dass die Liebe stärker ist als das Vergessen. Mit dem beeindruckenden Lied „Vergessen werden wir sie nicht“ vom Egerländer Mundartduo Christa Voigt und Jürgen Zuber endete dieser Abschnitt.
Der 1. Kreisbeigeordnete und Vize-Landrat Frank Inderthal überbrachte die Grüße des Schirmherrn der Veranstaltung, Landrat Carsten Braun. Er würdigte die Aufbauleistung der Vertriebenen im Kreisgebiet und erinnerte sich an wohlschmeckende Liwanzen. Der Herborner Bürgermeister Lukas Winkler verwies auf die eigenen familiären Erfahrungen und erinnerte an die Gedenkveranstaltung zu 80 Jahre Vertreibung vor einigen Wochen in Burg. Die Bedeutung der Integration erläuterte er am Beispiel der Konfession. Vor der Vertreibung gab es 115 Katholiken in Herborn, nach der Vertreibung waren es rund 2.500. Bundesvüa(r)stäiha des Bundes der Eghalanda Gmoin Helmut Kindl, mit der weitesten Anreise aus Ingolstadt, freute sich über die aktive Arbeit mit dem Ziel „Gmoin am Leben erhalten“ und den Fortbestand des Landesverbands und der Gmoin in Hessen. Der Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler im Hessischen Innenministerium, Andreas Hofmeister, verwies auf die Unterstützungsangebote des Landes. Auch er konnte auf eine Vertriebenenherkunft in der eigenen Familie verweisen. Bei jedem Dritten in Hessen Lebenden gibt es einen Ursprung in anderen Regionen Europas. Die Integration der Vertriebenen war aus seiner Sicht keine leichte Aufgabe. Sie ist aber als gelungen zu bezeichnen. Mit einem Gastgeschenk bedankte sich Gerlinde Kegel bei allen Ehrengästen.
Im Foto oben: Ehrengäste mit Landesvüa(r)rstäihare Gerlinde Kegel v.l. Bundesvüa(r)stäiha Helmut Kindl, Pater Paulose Chatheli, Landesbeauftragter für Heimatvertriebene und Spätaussiedler im Hessischen Innenministerium Andreas Hofmeister, Herborns Bürgermeister Lukas Winkler und 1. Kreisbeigeordneter und Vize-Landrat Frank Inderthal
t dem Einmarsch der Trachtenträger begann der volkstümliche Teil der Veranstaltung. Mit Tänzen wie dem „Schäin Lusti(gh“, dem „Da Klatscha“, dem „Labanter Roja“ und der „Sternpolka“ zeigte die Egerland-Jugend und auch die Älteren ihr Können. In raschen Wechseln gab es unterschiedliche Zusammensetzungen des Egerländer Volkstanzkreises, hauptsächlich getragen von den Volkstanzkreisen aus Offenbach und Herborn. Am Beispiel des „Öitza hob i mei Haisl in Wold assebaut… “ zeigten Christa & Jürgen die Entstehungsgeschichte eines Liedes, sowohl musikalisch wie auch im Marionettenspiel. Die beiden, unterstützt von Monika Zuber, haben damit wieder einen Höhepunkt gesetzt. Als Mundartlied folgte mit dem Chor aus Offenbach, unter der Leitung von Werner Wirth, „Da Roußbuttenbou(b“. Ein Lied, in dem ein Rußverkäufer stolz seine Egerländer Tracht präsentiert.
Gekonnt begleiteten die Egerländer6 unter der Leitung von Timo Groos mit schönen Egerländer Melodien die Veranstaltung. So fand der „Roußbuttenbou(b“ seine Fortsetzung im „Schornsteinfeger aus Eger“. „Aus Böhmen kommt die Musik“, „Auf der Vogelwiese“ und viele beliebte Melodien luden zum Tanzen und mitsingen ein. Trotz der enormen Hitze an diesem Tag machten alle mit und freuten sich über das Programm. Es war ein gelungener Nachmittag mit Freunden, der alle fröhlich nach Hause gehen ließ.
Bericht und Fotos: Hans-Jürgen Ramisch