80 Jahre Ankommen im Lager Burg – Teil 1: Gedenken am Gedenkstein

Mit einer Gedenkveranstaltung unter dem Thema „80 Jahre Ankunft der Heimatvertriebenen im Burger Lager“ erinnerten die Egerländer Gmoin Herborn und Dillenburg an die Vertreibung. Die zweigeteilte Veranstaltung begann am Gedenkstein in der Burger Hauptstraße und fand ihre Fortsetzung in der evangelischen Kirche in Burg.
Rund 125 Teilnehmer, darunter Fahnenträger der Egerländer im ehemaligen Dillkreis und der Sudetendeutschen Landsmannschaft, waren der Einladung zum Gedenkstein in der Burger Hauptstraße gefolgt. Gerlinde Kegel, Vorsitzende der Egerländer Gmoi Herborn und Initiator dieser Veranstaltung, begrüßte die Gäste, darunter auch den Stadtverordnetenvorsteher von Herborn, J. Michael Müller MdL, und die Redner des Nachmittags Bürgermeister Lukas Winkler, den Beauftragten des Hess. Innenministeriums für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Andreas Hofmeister MdL, sowie Pfarrer Konrad Schullerus und Pater Paulose für die beiden Kirchen.
Lukas Winkler begann seinen Rückblick mit dem historischen Standort im Burger Lager, in dem 1946 die Vertriebenen ankamen. Ankommen mit fast Nichts, vor sich eine ungewisse Zukunft. Krieg und Leid über Europa, Menschenverachtung und die Folgen des Nationalsozialismus dürfen dabei nicht verdrängt werden. Die katholische Kirche war ein erster Anlaufpunkt und wuchs in Herborn durch die Vertriebenen von 100 Mitgliedern auf rund 2.000 Katholiken. In der Situation der Ankömmlinge war Mut erforderlich, Mut für den Neuanfang. Und das haben Vertriebene gezeigt, wie die Erfolgsgeschichte der Integration belegt. Er nannte beispielhaft bekannte Namen wie Ernst Bog, Josef Fritsch, Walther Reiser (alle Herborn) sowie Hermine Bender (Dillenburg).
Ergänzt wurden seine Ausführungen durch die persönliche Geschichte seiner Familie, mit Ursprung in Müglitz. Er ist somit auch ein Beispiel, dass viele Familien in Hessen einen Integrationshintergrund haben.
Andreas Hofmeister verwies auf die Bedeutung des Amtes des Vertriebenenbeauftragten für die Hessische Landesregierung. Seit 1999, also seit 27 Jahren, gibt es diese Position. Er verwies auf ein Drittel der Hessen mit Vertriebenen in der Familie bzw. bei den Vorfahren. Mütterlicherseits gibt es auch bei ihm das Sudetenland als Teil der Familiengeschichte. Sein Fazit: Wir müssen der Verluste gedenken. Aber heute überwiegt die Dankbarkeit, an das was danach kam bzw. wie es sich entwickelt hat.

Roman Pacholek umrahmte die Veranstaltung mit seiner Trompete. Mit „The Rose“ zu Beginn und „Von guten Mächten“ zum Ende der Veranstaltung traf er die richtige Wahl.

Die Gedenkfeier in der Burger Kirche folgt in einem zweiten Teil.

Bericht und weitere Fotos: Hans-Jürgen Ramisch
Fotos am Gedenkstein: Matthias Meinl